Chat zum Preußenpark


Für Bündnis 90 / Die Grünen / GAL sind dabei:

Rüdiger Sagel von der Ratsfraktion

Wilhelm Achelpöhler, Kreisvorstand GAL/Die Grünen



Statement von Rüdiger Sagel:

Preußen Münster - Vom ökologischen Standpunkt zu begrüßen!

Der derzeitige Tabellentiefststand in der Regionalliga und die mit ca. 1500-2000 Zuschauern "gut gefüllten Ränge" im Preußenstadion sind bezeichnend für die seit Jahren desolate Vereinspolitik von Preußen Münster. Es ist anzunehmen, daß das unprofessionell kickende Fußball-Team und der eher an eine Laienspielschar erinnernde Vorstand dafür sorgen, daß der Verein wohl auch die nächsten Jahre zu Recht weit unten, nämlich ein Klasse tiefer in der Oberliga Westfalen, verbringt. Das erspart weite Anfahrtswege, was vom ökologischen Standpunkt zu begrüßen ist. Der Sinn eines Preußenparks zur Finanzierung eines neuen Stadions wird Münsters Öffentlichkeit beim Abstieg der desolaten Kicker wohl endgültig abhanden kommen. Für Münsters Innenstadt, Geschäfte und Arbeitsplätze wäre dies nur gut. Da nutzen dann auch alle Taschenspielertricks der Stadtverwaltung und des Regierungspräsidenten "Ex-Oberbürgermeister" Twenhöven nichts, die den außerhalb des Stadtzentrums liegenden "Preußenpark", jetzt wie von Geisterhand geschoben in den Siedlungsschwerpunkt schieben wollen, um ihn so gegen den Einzelhandelserlaß des Landes NRW genehmigungsfähig zu machen.

Blickt man zur Abwechslung mal über das münsterländische Oberzentrum hinaus, sieht man z.B. in Bielefeld (1.Bundesliga) oder Gütersloh (2.Bundesliga), wie es auch anders gehen kann. Der FC Gütersloh behauptet sich mittlerweile in der Tabellenspitze seiner Klasse gegen renommierte Konkurrenz, was im wesentlichen an der pfiffigen Vereinsführung liegt. Die strukturellen Voraussetzungen des FC sind nämlich mehr als provinziell. Das Gütersloher Heidewald Stadion gehört dem örtlichen Schützenverein. Komfort bietet es so wenig, daß das Gros der Fans ungeschützt im Freien steht und die VIPs in Partyzelten betüdelt werden. Auch der Trainingsplatz ist jenseits aller Diskussion. Dort machen es sich Maulwürfe gemütlich oder man sichtet dort Hühner vom nahen Bauernhof. Im Vergleich dazu ist der münstersche Platz, wo nur ein lahmer "Gockel" übers Feld trabt, vergleichsweise Spitzenklasse.

Preußen Münster wird hingegen selbst ein tolles neues Fußballstadion nichts nutzen. Amateurhaftes Gebaren und eine unfähige Vereinsführung werden auch durch strukturelle Voraussetzungen nicht professioneller. Das zeigt auch das Beispiel Hannover, wo die 96er seit Jahren im 60.000 Zuschauer fassenden Niedersachsenstadion, ebenfalls in der Regionalliga kicken. In Münster wartet man jetzt noch jahrelang und vermutlich vergeblich auf den ECE Preußenpark. Dies obwohl, durch das 15 Millionen DM Angebot der münsterischen Kaufmannschaft, ein neues Stadion allein, alsbald in die Bauphase hätte kommen können.

"Schlauer sein als Bayern München," war die erfolgreiche Devise der Gütersloher und mit einer cleveren Spielerpolitik, einem durchdachten neuen Prämiensystem und weiteren ungewöhnlichen Maßnahmen hat man dort Erfolg. Der Blick über Münsters Tellerrand lohnt sich.


Wilhelm Achelpöhler sagt:

Ich bin in Bielefeld aufgewachsen. In dieser Stadt hat die SPD in den siebziger Jahren in jedem Winkel der Stadt großflächigen Einzelhandel zugelassen. Von "Marktkauf" bis zu "Hypermärkten" gibt es in Bielefeld alles. Was es kaum noch gibt sind dezentrale Einkaufsmöglichkeiten in den Stadtvierteln. Als ich in Münster mein Studium begann war ich deshalb angenehm überrascht, daß man meist "gleich um die Ecke" die nötigen Einkäufe erledigen kann. Der geplante Einkaufskomplex an der Hammerstraße bedroht jetzt die Einkaufskultur dieser Stadt.

Der Einkaufskomplex ist auch ökologisch nicht vertretbar. Bereits die schönfärberische Bezeichnung "Preußenpark" muß mißtrauisch machen. Mit einem Park hat das ganze nicht viel zu tun. Je fragwürdiger ein Vorhaben ist, desto schöner oft der Name. Die Atomindustrie wollte ihr Atommüllentlager in Gorleben den Betroffenen als "Entsorgungspark" verkaufen. An der Hammerstraße sollen nicht Bäume geplanzt und Wiesen angelegt werden, sondern eine Brachfläche zubetoniert werden. Vom Park bleiben nur die "Park"-Plätze.

Der Einkaufskomplex wird zu einem Dauerstau auf der Hammerstraße führen. Weniger dezentraler Einkauf - mehr PKW Benutzung - mehr Lärm und Abgase - weiterer Straßenbau - soll das Münsters Beitrag zur Klimapolitik sein?

Der Einkaufskomplex kostet Arbeitsplätze. Jede Mark kann nur einmal ausgegeben werden. Das erleben die Kaufleute gerade bei den verlängerten Ladenöffnungszeiten. Arbeitsplätze, die im Einkaufskomplex Hammerstraße geschaffen werden gehen anderswo verloren.

Aus guten Gründen ist deshalb in der Vergangenheit die Ausweisung von Baugebieten für großflächigen Einzelhandel im Rat der Stadt mehrheitlich abgelehnt worden. Der Sinneswandel im Rat läßt sich nur so erklären, daß die Investoren den Bau eines Stadions versprechen und damit politisch Stimmung für ihr verfehltes Projekt machen können. Aber: darf städtische Planung käuflich sein? Und: Warum wird nicht auch anderen Investoren das Angebot zur Realisierung des Projekts gemacht? Was hat es mit Marktwirtschaft zu tun, wenn sich ein einzelner Investor durch politische Einflußnahme den Zuschlag sichern kann?



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