BÜRGERINITIATIVE "RETTET DAS SÜDBAD!"
Offener Brief an die Stadt Münster

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Dr. Tillmann,

da die Zeit drängt, wenden wir uns in einem Offenen Brief noch einmal persönlich an Sie.

Wir, die Bürger der Stadt Münster, fühlen uns von der derzeitigen Bäderpolitik der Mehrheitskoalition in keinster Weise ernst genommen, obwohl wir schon gemeinsam mit Bürgern und Bürgerinnen aus Handorf mittlerweile über 7.000 Unterschriften zum Erhalt der Bäder gesammelt haben – die Listen der Schulen des Geistviertels noch gar nicht mit berücksichtigt.
Auch Amelsbüren möchte Ihnen über 1.000 Unterschriften übergeben, doch Sie verweigern deren Annahme!NRW-weit sind bereits 50 Bürgerbäder mit finanzieller Unterstützung der Städte entstanden.
Das Städtenetzwerk NRW bietet mit seiner "Werkstatt Vereins- und Bürgerbäder in NRW" umfassend Beratung und Unterstützung vor Ort an. Ein Studium der entsprechenden Internetseite (www.netzwerk.nrw.de) wäre bestimmt aufschlussreich. Dort wäre auch nachzulesen, dass zahlende Mitglieder - wie Münster eines ist - deutliche Rabatte erhalten.

Auch in Dortmund wurde die Bäderlandschaft in Zusammenarbeit der Stadt mit den Bürgern und den Vereinen gerettet und erfolgreich weiterentwickelt - auch ohne vorher ein Gutachten für 100.000 Euro erstellen zu lassen. Insgesamt handelt es sich hier um 11 Bäder (auch Baujahre von 1960). Dortmund spart dadurch 2,2 Millionen Euro im Jahr ein.

Jörg Stüdemann, Sportdezernent aus Dortmund, äußerte sich am Mittwoch öffentlich dahingehend, dass es verantwortungslos gegenüber den Einwohnern einer Stadt sei, die Bäder aus der städtischen Verantwortung zu entlassen und frei auf dem Markt anzubieten. Ohne finanzielle Unterstützung der Städte wäre ein Bäderbetrieb für Vereine und Bürger nicht machbar und nicht tragbar! Auch stellte Jörg Stüdemann die Kompetenz des Unternehmens Wenzel und Partner in Frage, diese seien eher im Bereich Vergnügungsparks tätig.

Münster ist die lebenswerteste Stadt der Welt. Lebenswert wird eine Stadt für Ihre Bürgerinnen und Bürgern auch, wenn sie mit diesen zusammenarbeitet, ihre Ideen aufgreift und offen kommuniziert.
Die Schließung von Schwimmbädern, eben Einrichtungen der gesundheitlichen Grundversorgung, verringert eindeutig die Lebensqualität der Bürgerschaft. Für das Südbad sind das konkret über 1.000 Kinder und Jugendliche im DLRG und weitere 1.000 Kinder und Jugendliche der angrenzenden Schulen, die unmittelbar betroffen wären, darüber hinaus all die älteren Mitbürger und Mitbürgerinnen, die nicht mal eben auf andere Schwimmbäder ausweichen können.Seit mindestens 15 Jahren sind die Missstände in den münsterschen Bädern bekannt, ein Jahr lang wurde nach einem Unternehmen gesucht, das ein Gutachten erstellt, und nun soll auf der Grundlage dessen innerhalb von 5 Wochen über die Bäderlandschaft entschieden werden.

Die DLRG hatte im Vorfeld der Gutachtertätigkeit ihre Mithilfe angeboten, ist aber nicht berücksichtigt worden.Es besteht keine nachvollziehbare Notwendigkeit, bereits am 7.12.05 über die Bäderlandschaft in Münster zu entscheiden, da über den Haushalt der Stadt Münster vorraussichtlich erst im März 2006 entschieden wird. Außerdem hätte z.B. das Südbad noch eine Restlaufzeit von zwei Jahren – Zeit, etwas Neues zu entwickeln und auch zu schauen, wofür sonst noch viel Geld ausgegeben werden soll, was die Bürgerinnen und Bürger der Stadt nicht unbedingt brauchen.

Sie als unser Bürgermeister geben uns Bürgern keine Chance, gemeinsam ins Gespräch zu kommen, um tragfähige Konzepte zu erarbeiten. Auf die Dauer ist keinem politischen Entscheidungsträger damit gedient, eine Politik gegen seine eigene Bevölkerung zu betreiben.Nehmen Sie die Gelegenheit wahr und kooperieren Sie mit all denen, die bereit sind, mit aktivem Bürgerschaftlichem Engagement die Stadt Münster lebenswerter zu machen. Darin steckt ein enormes Potenzial, das Sie sich zu Nutze machen sollten.

Mit freundlichen Grüßen

gez. Katrin Liebert, gez. Georg Heinrichs, gez. Inta Jacobi

(Bürgerinitiative "Rettet das Südbad!" und Förderverein "Bürgerbad Münster-Süd e.V.")

3. Dezember 2005

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